11.3.14

The key

Kennt ihr sie? Diese Tage, an denen es einem einfach nicht gut gehen will? Die Sonne scheint, die nervige Computertechnikarbeit wurde verschoben, das Essen war gut, es ist die letzte Stunde eines gechillten Schultages, doch die Laune ist im Keller. Der absolute Nullpunkt erreicht.
Warum das so ist, ist einem ein Rätsel, was man dagegen Unternehmen soll ein noch größeres.

Ja auch diese Tage gibt es während eines Auslandsjahres. Es gibt Phasen, da geht es einem super, alles läuft perfekt, es gibt Tage, an denen will man nur nach Hause und dann gibt es diese, an denen man am liebsten nirgends wäre… außer vielleicht in seinem Bett.. nur welchem Bett?
Wieder zurück und das neue Zuhause hinter mir lassen... Panik steigt auf.. die Zehen krallen sich in den Boden.. Ich will nicht weg!
Hier bleiben? Unmöglich! Ich freue mich doch alle wieder zu sehen und das kompliziertes Schweden gegen ein verständliches Deutschland einzutauschen!

Vielleicht sind es diese gespaltenen Gefühle, die manchmal zu einem bitteren Geschmack nach einem schönen Moment führen. Heimweh ist es auf jeden Fall nicht, ein Zuhause habe ich hier auch. Vielleicht Sehnsucht nach der richtigen Familie? Die Amerikanische Familie meiner Gastschwester war letztes Wochenende hier. Es war schön sie mit Eltern und Bruder lächeln zu sehen, tat aber auch weh.
Ich fühle mich als richtiger Teil meiner Familie hier. Verwirre Leute, weil ich bei Erzählungen nicht zwischen ihnen und meiner Deutschen Familie unterscheide. -Wenn plötzlich aus einem kleinem Bruder zwei große werden und Großeltern Dänisch sprechen.- Aber die biologische Familie kann man nicht einfach ersetzten. Meine zwei Familien: Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und sie zu vergleichen ist unmöglich. Meine deutschen Eltern in Schweden - außerhalb meiner Vorstellungskraft. Meine dänisches Eltern in unserem deutschen Wohnzimmer - das wäre wie plötzlich eine Brezel bei einem Schwedischen Bäcker zu finden..

Was ich mit diesem Blogeintrag sagen will? Jeder erzählt, dass das zweite Halbjahr ein Zuckerschlecken ist. Dass man, wenn man die Anfangsschwierigkeiten überwunden hat, das beste Jahr seines Lebens erlebt. Wer will mit 17 das beste Jahr seines Lebens erleben?
Und ich lebe ein normales Leben hier. Welches normale Leben ist ein Zuckerschlecken? Schulproblem, Meinungsverschiedenheiten mit den Eltern, der ein oder andere Zickenkrieg.
Klar Sprache ist kein Problem mehr (..naja Englischunterricht ist gerade das Sprachchaos überhaupt..), ich bin nicht mehr die stumme Neue in der Schule, schieße auch mal das ein oder andere Tor im Innebandy, werde im Orchester gebraucht und Busfahren.. Gott wie konnte ich mal denken, dass das kompliziert ist :D Ich würde sagen das zweite Halbjahr ist komplett anders als das Erste. Aber eines von beiden bevorzugen? Nein.
Deshalb bin ich auch der vollen Überzeugung, dass er wichtig ist, sich die Zeit zu nehmen, keine halben Sachen zu machen und das ganze Jahr zu durchleben. Ein unvergessliches Jahr zu erleben!


Auslandsjahr als der Schlüssel zu einer neuen Heimat, seiner alten Heimat und sich selbst.
Larissa

9.3.14

Busy doin' nothing

Nach meiner Meinung sollte dieses Lied Schweden beim Eurovision vetreten! Lebensmotto der Schwedischen Jugend schlechthin. Und während ich gerade mit meinem Ohrwurm hier sitze und blogge schreiben meine geliebten Nerds ihre Mathearbeiten zuende.
Aaa nop ich habe keine Sonderbehandlung als Austauschschüler in meiner Schule. Ich habe meine Arbeit allerdings schon vor 10min abgegeben.. ganz dem Deutschen Ruf der Effektivität entsprechend :D

Also nutze ich jetzt mal effektiv haha meine Restzeit und informiere euch über ein paar Dinge, die trotz meines inzwischen 'vollem halben' Jahres in Schweden einfach seltsam für mich sind:
  • Es gibt keine mündlichen Noten.. was sich daraus ergibt könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen.. Interaktion Schüler +Lehrer = 0
  •  In Schweden gibt es zwar Quark.. aber keinen isst ihn.. meine Klassenkameraden wissen nicht mal wie ’kvark’ schmeckt geschweigeden wie man ihn 'serviert'.. dabei ist das doch ein Milchprodukt?!
  • Für die Gesundheit aller ist hier die Kommune verantwortlich.. weswegen weshalb meine gesamte Schule gerade nacheinander zu einer Allgemeinuntersuchung , die während der Schulzeit durchgeführt wird, antreten.
  • Bücher leiht man hier auch von der Schule.. man packt sie aber nicht ein.. ihr könnt euch nicht vorstellen wie meine Schulbücher aussehen!
  • Hier exsitieren keine Füller – nicht nur an der Schule, einfach nirgends! Schweden haben deshalb auch keine Ahnung was eine Titenpatrone ist :D
  • Festnetzanschlüsse sind hier total ungewöhnlich.. alles läuft übers Handy. Wenn Haushalte einen Festnetzanschluss besitzen bezahlen sie ihn meist per Minute.. Die Telefonanwedung ist also genau Gegenteilig zu Deutschland.
  • Auf Schwedisch existiert kein Wort für 'Bitte', man hält aber allen gentlemanlike die Türen auf.
  • Habe ich schon erwähnt, dass man trotz aller Fika zwei Mal am Tag warm isst?!

Weil ich es aus diversen Gründen noch nicht geschafft habe (ich weiß ich blogge jetzt seltener.. aber mein Deutsch klingt zur Zeit einfach zu eingeschwedischt.. jeder Blogeintrag fühlt sich an wie Deutschnachhilfe >_<) diesen Post zu veröffentlichen, jetzt noch ein paar Updates:
-Schwedens Teilnehmer für den ESC steht inzwischen fest.. mein Dauerohrwurm wurde leider nur Zweiter.. aber mit UNDO hat es eindeutig die beste Alternative nach Dänemark geschafft.
-Der Frühling ist seit gestern in Südschweden angekommen -> Vogelgezwitscher, Sonne zum Frühstück und eine Landschaft wie bei Nils Holgerson *-*

PS falls aus mir mal nichts wird, eröffne ich ein Schwedisches Restaurant in Deutschland und Konkurriere mit IKEA.. die ersten selbstgemachten Köttbullar wurden am Do erfolgreich gebrutzelt und meine Ich-beenden-jetzt-endlich-mein-extra-Schwedisch-und-nehme-wieder-an-einem-Englischunterricht-teil-Kanelbullar kamen als Abschiedsfika in meiner SFI- (Svenska För Invandrare - Schwedisch für Einwanderer) Klasse mehr als gut an :)

(Eigenlob stinkt!^^)
Larissa

21.2.14

Momentaufnahme

Langsam beginnt sie die Panik. Der Jahreskalender ist schon längst im Papierkorb gelandet. Ich kann den Blich auf die schmelzenden Monate nicht mehr aushalten. Plötzlich liegt Post zur Rückreise im Briefkasten. Ein enttäuschtes "Aber da bin ich schon wieder in Deutschland" fällt öfter und öfter.
Übertrieben denkt ihr? Ich hab ja noch vier Monate? Wahhh vier Monate..  und wie soll ich bitte alles was ich noch erleben, ausprobieren oder einfach lieb gewonnen habe in diese mickrigen vier Monate stopfen?!

Und da dachte ich doch vor kurzem sogar tatsächlich, dass ich inzwischen genug eingelebt wäre, um mich nicht mehr durch Unwissen zu blamieren.. Da haben mir die Skandinavisch-typischen-Semlor, den man auf keinen Fall wie Instinktiv vermutet (ihr denkt doch auch als erstes an..?) wie einen Hamburger essen darf!!!!! aber einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht >_<
Es ist jetzt nämlich Semlatime. Die mit Marzipan und Sahne gefüllten Semmel isst man traditionell rund Februar/März.. (ein kalorienreicher Ersatz für Fasching, der hier komplett unbekannt ist.. Versuche besser nicht einem Schweden den Scham von verkleideten, betrunkenen Menschen, die in der Kälte zu schlechter Musik feiern, zu erklären! Nein Semla sind super :D) 
Also falls ihr mal in Skåne einen Semla spendiert bekommt, blamiert euch nicht! Sondern tunkt wissend erst den mit Puderzucker bestreuten 'Deckel' in die Sahne; verspeist ihn mit Genuss und schäkert dann den Rest eures Burgers wie ein belegtes Brötchen. Man lernt wohl nie aus..

Mein Körper tickt inzwischen Schwedisch: Schreit pünktlich um 9,11,1,3,5 und 8 nach Essen!
Pizza während einer 40min Mathestunde - der Lehrer in der Stunde vorher hat einfach die Fikapause gestrichen :( Ich kann mich mit leerem Magen aber nicht konzentrieren!
Das Geheimnis der trotzdem schlanken-blonden Schwedinnen? Immernoch keine Ahnung -_-
Deshalb schließe ich mich gezwungenerweise den durchtrainierten Schweden an und werde Gymjunki. Fast jeder etwas sportlichere Schwede ist in einem Fitnessstudio angemeldet, und unsere Schuleigene Gym ist ein beliebter Treffpunkt nach dem Unterricht.

Ich fange gerade erst an meine Umgebung zu erkunden! Es ist kein Klischee.. Schweden werden mit der Sonne aktiver.. deshalb wird mein Radius jetzt auch endlich von -mit dem Fahrrad zu erstrampeln- zu -mit dem Zug zu erreichen- ausgeweitert. 

Und mein Alltag unterscheidet sich sowieso nicht groß hier. Ich muss auch hier ab und zu meine Nase zu Hause in ein Schulbuch stecken, ich gehe 5 Tage die Woche in meine Nerdy-Technik-Klasse <3 und gammle ab und zu mit Wikingern.

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Langsam beginnt sie die Freude auf das erste richtige Sonntagsfrühstück mit der biologischen Familie, auf Partys bei denen getanzt wird, auf die bezahlbare Kosmetik bei DM, auf das erste lange Bad nach einem Jahr duschen…

Das was ich wirklich am Meisten vermisse ist die Frühstücktradition in Deutschland! Frühstück in Schweden dient nur um dem ersten Hungerschrei am Morgen den Hals zu stopfen, um 11 gibt es dann ja auch schon die erste von zwei warmen Mahlzeiten.
Das Linke Foto zeigt ein typisches im Stehen, lieblos, aus einem Plastikbecher (Nein in Schweden dienen diese Becher doch nicht um auf Partys ..kein Alc unter 18 in Schweden - das ist spezieller Frühstück-to-go-Becher^^) eingenommenes Müsli. Das Rechte zeigt die einzige Brezel, die ich seit 5Monaten *schnief* zu Gesicht bekommen habe (Dank einer Geschäftsreise meines Pappas nach Deutschland).. Die Brötchenauswahl hier ist erbärmlich.. es wird als altmodisch angesehen zum Bäcker zu gehen.. warum nicht zum nächsten Supermarkt oder zur nächsten Tankstelle - BANAUSEN!

Freunde kann man in Schweden finden.. Yufka nicht!
Ich vermisse euch Leute.. aber ich plane schon was ich alles essen werde, wenn ich erstmal wieder in Deutschland bin.. man könnte ja alle wieder treffen und Essen kombinieren?^^

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Melodifestivalen ist die Schwedische Art den Teilnehmer für den nächsten EuroVisionSongContest zu finden und ein riesen Event. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie groß der Druck in Schweden ist, nach dem letztes Jahr gerade DÄNEMARK :O gewonnen hat. Und jetzt schneidet Norwegen auch noch überdurchschnittlich gut bei den Olympischen Winterspielen 2014 ab.
Nicht einmal das erst kürzliche Siegen über Finnland im OS-Eishockey kann diese Blamagen wettmachen.. ein zweites ABBA wird verzweifelt gesucht!
Nur für wenn bin ich den jetzt? Bleibe ich meiner Herkunft treu? Ziehe ich mit meiner Gastfamilie und Dänemark? Oder sollte ich mich lieber doch nicht mit unseren Nachbarn anfeinden und mein jetziges Zuhause unterstützen?
Warum eigentlich entscheiden, wenn man auch eine drei Mal so hohe Chance auf der Seite der Gewinner zu sein haben kann?
.. hehehe Larissa